Mirë se erdhët – Herzlich Willkommen

 

Samstag 06.08.16:
Jetzt ist es soweit, wir sind am Münchner Busbahnhof angekommen, fallen uns

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Unser Gepäckhaufen am Busbahnhof in München

um den Hals und können gar nicht glauben, dass wir in zwei Stunden in den Bus Richtung Kosovo steigen werden. Wir haben keine Ahnung, was uns wirklich erwarten wird und müssen uns wohl oder übel überraschen lassen…
Noch am Morgen haben wir uns von unseren Familien und Freunden verabschiedet, bevor wir uns auf den Weg nach München machten. Auch wenn uns das Tschüss-Sagen schwer fiel, da uns bewusst wurde, dass wir nun wirklich ein Jahr lang von unseren Lieben getrennt sein werden, haben wir unsere Entscheidung, ein Jahr im Kosovo zu leben (noch 😉 ) nicht bereut.
Pünktlich 18:30 Uhr hat der Busfahrer freundlicher Weise zwei Plätze für uns nebeneinander organisiert, auch wenn das für Umstände bei den anderen Mitfahrern sorgte. Dann ging es los! Ab ging es durch Österreich, Slowenien, Bosnien, Kroatien, Serbien bis wir schließlich den Kosovo zum ersten Mal berollten.

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Grenzübergang Serbien-Kosovo

Sonntag 07.08.16:
Die Nacht haben wir mit mehr oder weniger erholsamem Schlaf verbracht. Während der Pausen lernten wir einige unserer Mitreisenden kennen. Die meisten sind auf dem Weg ihre Familien für ein paar Wochen zu besuchen. Als wir dann erwähnten, ein Jahr hier bleiben zu wollen, kam nur der kurze Satz „Oh Gott, in 4 Tagen wollt ihr wieder zurück.“ Deshalb haben wir jetzt ein bisschen Angst vor übermorgen 😉 Die Reise mit dem Fernbus endete für uns in der kosovarischen Hauptstadt Priština, von wo aus wir uns, Gott sei Dank, mit einem Bekannten aus dem Bus gemeinsam auf dem Weg nach Prizren machten. Für diese Begleitung waren wir sehr dankbar, da wir von den ganzen Angeboten von Taxis und Bussen am Bahnhof alleine total überfordert gewesen wären. Die Busreise führte uns durch wunderschöne, grüne Berge, eine sehr angenehme, ruhige Landschaft. Uns ist während der Fahrt besonders die Aufmerksamkeit gegenüber den Mitmenschen aufgefallen. So hat uns zum Beispiel im Bus ein Paar von ihren Chips angeboten, die sie gerade öffneten und der Busfahrer wartete häufig auf zuspätkommende Fahrgäste.
Punkt 18:30 berührten wir das erste Mal in unserem Leben prizrenschen Boden. Und das am berühmten Ćevapčići-Kreisverkehr. Hier bemerkten wir Ferraris und andere schnelle Sportwagen, die sich Rennen lieferten. Wie wir später erfuhren, lässt sich das hauptsächlich zur Sommertourismuszeit beobachten.  Wenig später erblickten wir Moritz und Vlora, zwar mit keinem Ferrari, aber dafür mit genug Platz im Kofferraum für unser Gepäck. Moritz ist der Jesuit, der für uns als Ansprechpartner gilt und in der neugegründeten Jesuiten-Kommunität auf dem Gelände des Loyola-Internats mitlebt. Vlora ist eine Deutsch- und Lateinlehrerin am Gymnasium aus Priština. Wir werden gemeinsam mit ihr in einer WG leben.
Angekommen auf dem Loyola-Gelände wurden wir sehr freundlich begrüßt und mit einem leckeren Abendessen verwöhnt. Bei diesem traf sich die frische Kommunität, von der wir auch ein Teil sein dürfen, das erste Mal in kompletter Runde. Außerdem gehören der Schulleiter Bödefeld und zwei slawische Jesuiten dazu. Müde von der langen Fahrt gingen wir dann ins Bett.

Montag 08.08.16:
Heute begannen wir unseren Tag gemeinsam mit den Jesuiten mit einer Morgenmesse um 7:30 Uhr in der Kapelle im Hause des Mädcheninternats. Danach folgte ein gemeinsames Frühstück. Gestärkt konnten wir uns auf den Weg zu unserer ersten Albanisch Stunde machen. Der erste Einstieg in die Grammatik und zahlreiche, für die Vorstellung relevante, Fragen und Antworten, boten zwar eine anspruchsvolle, aber lehrreiche Stunde. Mit klitzekleinen Hausaufgaben für morgen sind wir hochmotiviert weiter zu lernen.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum Super Viva, um einen ersten Einkauf zu machen, bei dem wir unseren Haushalt grundausgestattet haben. Um möglichst nichts zu vergessen, sind wir jede einzelne Reihe abgelaufen und dabei auf auffällig viele Reihen mit verschiedenen Putzmitteln gestoßen.
Anschließend haben wir noch einen Abstecher in die wunderschöne Altstadt Prizrens gemacht. Während der kurzen Stadtführung haben wir einen Eindruck auf die Auswirkung der serbisch-kosovarischen Konflikte bekommen. Diese zeigten sich vor allem in einem Viertel, welches bis 2004 zum Großteil von Serben bewohnt wurde und dann aber bei einem Aufstand niedergebrannt wurde. Heute lassen sich diese Brandschäden nur noch erahnen, da einige schöne neue Häuser an dieser Stelle gebaut wurden.

Ich, Patricia, habe mir am Abend gemeinsam mit Moritz und Steffen einen Film im Rahmen des Doku-Festivals als Open-Air-Kino angeschaut. Er handelte von einem Mann, der vor dem Krieg für die Unabhängigkeit des Kosovos kämpfte, anschließend in das Exil in die Schweiz flüchtete und während des Kriegs wieder zurückkehrte, um für sein Land mitzukämpfen. Heute baut er Häuser im Kosovo, um Plätze für Zuflucht und Geborgenheit zu schaffen. Der Film war sehr beeindruckend, da er die Realität und Geschichte vieler Kosovaren zeigt, die aus vielen verschiedenen Gründen ihre Heimat verlassen mussten. Auch heute noch gehen viele junge Leute ins Ausland, um dort zu arbeiten und so ihre Familien zu unterstützten.

Als Ausblick für die nächsten Wochen steht für uns in erster Linie der Albanisch-Kurs und das Doku-Festival an, welches aktuell in Prizren stattfindet. Dann werden Ende des Monats die Schüler mit Beginn des neues Schuljahres an das Internat zurückkehren und der Unterricht wieder beginnen.
Der nächste Blogeintrag wird deshalb Anfang September zu erwarten sein und dann wird unser Blog fortlaufend immer monatlich  um einen neuen Bericht ergänzt werden. Wir freuen uns über interessierte Leser und hoffen euch so an unseren Erlebnissen teilhaben lassen zu können 🙂

 

 

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