Angekommen √

Die Ferien sind zu Ende und wir können endlich wieder in die Schule gehen! 😉 Doch zunächst wollen wir über unsere letzten schulfreien Wochen berichten. Am Freitag, den 26.08., feierten wir den Abschluss unseres Albanisch-Kurses. Hinter uns liegen unzählige Deklinationstabellen, 8 verschiedene Zeitformen,  alle möglichen Modi, Konjunktive, Optative, Superlative und viele lustige Momente, in denen das Reden über die kosovarische Kultur wesentlich interessanter war, als die albanische Grammatik. Doch die letzten Wochen waren alles andere, als nur mit Sprache lernen gefüllt, denn die „Pausen im Interesse des Lernens“ waren sehr abwechslungsreich. Um den täglichen Albanisch-Kurs bildete sich ein regelmäßiger Tagesrhythmus:  5:45 klingelte der Wecker und pünktlich (;)) um 6 setzte sich unsere kleine Jogginggemeinschaft, bestehend aus Moritz und uns, in Bewegung. In der nächsten Dreiviertelstunde erkundeten wir orientierungslaufmäßig täglich neue Strecken durch Wald, Wiese und auch Wasser. Selten sahen wir Beton. Von den Frühaufstehern, denen wir während unserer Laufrunde begegneten, wurden wir stets gegrüßt. Meist mit dem typischen Kopfnicken und einem leichten Handgruß (Eva kann das auch schon sehr gut). Beim Überqueren eines nahen Feldes  wurden wir fast regelmäßig von 3 Hunden begleitet, die zwar sehr laut bellen können, aber unsere Distanzzone stets respektierten, wodurch wir sie gerne in unseren Freundeskreis aufgenommen haben.

Nach dem Joggen hatten wir plus-minus 30 Minuten Zeit zum Duschen, denn dann begann um 7:30 die Morgenmesse, an der wir gerne teilnahmen. Nach einem Müslifrühstück mit Obst und kosovarischer Milch (MADE IN KOSOVA)  ging es dann hochmotiviert zum Albanisch-Kurs.

Die Nachmittage waren sehr abwechslungsreich gefüllt:
Neben einer sehr langen und intensiven Wanderung, bei der wir auf die Burgruine Prizrens, viel selbstgepflücktes Obst, wunderschöne Landschaft und eine Schildkröte trafen,  durften wir noch einige Filmveranstaltungen im Rahmen des Doku-Fests besuchen. Ein Kurzfilm handelte von einer Familie, die wir am Tag vorher in der Stadt sahen. Die 3-jährige Tochter kam ums Leben, als das Dach ihres Hauses plötzlich einstürzte. In dem Video wurde ein weiteres Wohnhaus gezeigt, dass potenzielle Einsturzstellen aufweist. Trotzdem leben in dem Haus mehrere Familien.  Für uns war erschreckend, wie real und nah dieses Schicksal für viele Menschen hier ist.

Kloster

Die Stimmung im Innern lässt sich über ein Bild nicht vermitteln, darum hier zumindest ein Eindruck von außen.

An einem anderen Tag besuchten wir das öffentliche Abendgebet im Serbisch-Orthodoxen Kloster in Dečani. Nachdem uns die KFOR (ausländisches Militär) Zutritt gewährte, erlebten wir eine ganz besondere Art des Gebets im Kloster. Die Mönchsgesänge im Kerzenlicht boten uns eine angenehme ruhige Zeit, die wir nutzen konnten, um unser Ankommen hier im Kosovo für uns zu reflektieren und viel Kraft zu schöpfen.

 

 

 

 

himmelfahrt

Selfie nach der Messe 😉

Einen weiteren religiösen Höhepunkt bot das katholische Fest, anlässlich Marien Himmelfahrt in Letnica. Hier versammelte sich ein Großteil der Katholiken und Soldaten, um gemeinsam einen Gottesdienst zu feiern. Auch der Bischof, sowie fast alle kosovarischen Priester waren anwesend. Diese trafen sich nach der Messe als Klerus zu einem Mittagessen, bei dem wir wegen der Jesuiten dabei sein durften.

 

 

An unseren Wochenenden putzen wir fleißig eine Stunde lang unsere Wohnung, was wir dank der großen Putzmittelauswahl im Supermarkt mit genau der richtigen Ausrüstung  bewältigten. Dazu gehört natürlich auch das Wäschewaschen. Um hier mal nebenbei unsere Albanisch-Kenntnisse einfließen zu lassen, „waschen“ bedeutet „laj“  und war aufgrund der vielen Auto-Larjen hier in der Stadt eines der ersten Wörter, die wir sagen konnten.

Was unsere Selbstständigkeit außerdem gefördert hat, war der Kauf zweier Fahrräder, namens Baba-Bike und Bisasam, mit denen wir nun regelmäßig in die Stadt düsen.  Unteranderem, um auf dem Markt in unserem gebrochenen Albanisch frisches Obst und Gemüse zu kaufen.Markt

Nach dem Waschsamstag geht es jeden Sonntag um  11 in die große Messe in der Stadt. Hier singen und proben wir bereits im Chor mit und tragen auch mit instrumentalen Stücken zur Gestaltung des Gottesdienstes bei.   Auffällig in den Gottesdiensten war vor allem, dass ein Großteil der Gemeindemitglieder nicht mitsingt. Ein Grund hierfür könnten fehlende, albanische Gesangsbücher sein. Deshalb ergab sich für uns folgendes  Jahresprojekt, welches wir gemeinsam mit Moritz und Shtjefen (so ist übrigens die richtige Schreibweise!) angehen wollen: wir wollen die albanischen Lieder, die hier vor Ort gesungen werden, sammeln, einheitlich notieren und schließlich als ordentliches Gesangsbuch in die Gemeinden geben.

Während wir unser Wochenende zum Entspannen nutzen konnten, beobachteten wir die Bauarbeiter am Internat, die selbst auch am Sonntag zur Arbeit erschienen. Auch alle Geschäfte waren geöffnet. Dieses Arbeitsprinzip ohne Wochenende mag für uns als Käufer zwar recht attraktiv sein, aber es kanzelte uns leider den Besuch einer Freundin in Priština, welche nach langer Arbeitslosigkeit unerwartet einen Job als Kassiererin im Supermarkt bekam, was bedeutet, dass sie montags bis sonntags 12 Stunden täglich arbeiten muss.

Apropos Arbeit: Seit dem 18.08. wissen auch wir, was in diesem Jahr unsere Hauptaufgaben sein werden.

Ich Eva, arbeite im Gymnasium  vor allem als Sprachassistentin im  Deutschunterricht
und unterstütze die Lehrer dabei die Kommunikationsfähigkeit der Schüler zu fördern.

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       Vlora und Eva vor dem Loyola-Gymnasium Schüler durch möglichst viel Sprechen zu fördern. Wie genau sich dieses Ziel erreichen lässt wird sich zeigen, denn diese Aufgabe ist nicht nur für mich neu, sondern auch für die Lehrer eine ganz neue Möglichkeit.

Jetzt in der ersten Schulwoche habe ich noch nicht stundenplangetreu am Unterricht teilgenommen, da die Lehrer zunächst noch Organisatorisches zu regeln hatten und ich als
Sprachassistentin dann ab nächstem Montag erst richtig einsteige.
Bisher habe ich die Deutschlehrer, während der Fachschaftskonferenz und bei einem anschließenden Kaffeetrinken, kennengelernt und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihnen! Ein paar der anderen Lehrer und der Erzieher habe ich beim gemeinsamen Essen in der Mensa getroffen.
Meine ersten Begegnungen mit den Gymnasiasten hatte ich mit Vlora in ihrer Klasse mit den Neuanfängern.  Ich habe an einer kleinen Rundführung über das Internatsgelände teilgenommen und ein Kennenlernspiel mit vielen kleinen Fragen (auf Albanisch!) mitgespielt.
Da sich meine Mitarbeit im Unterricht auf eine halbe Stelle begrenzt, habe ich die Möglichkeit mir ein Angebot für die Schüler für den Nachmittag auszudenken und dann als AG anzubieten. Dafür will ich sie zunächst einmal etwas kennenlernen und dann nach den Bajramferien (also ab dem 19.September) beginnen. Vermutlich wird es sich um ein Musikprojekt handeln.

Paddi und ihr Team

Paddi, Motër Lindita und Ilir vor der neu renovierten Shkolla Fillore Loyola

Ich, Patricia, arbeite bereits schon seit dem 22.08. in der zum Gymnasium dazugehörenden Grundschule unter Leitung von Motër Lindita. Angefangen mit vielen Lehrerkonferenzen und der Planung der neu eingeführten Nachmittagsbetreuung. Dazu gehören nicht nur das Programm, sondern auch die frisch renovierten Räume einzurichten. Seit dem Schulbeginn unterstütze ich vormittags die Musik-, Deutsch-, und Englischlehrer bei der Arbeit mit den Schülern. Nach der Schule übernehme ich gemeinsam mit einem Kollegen, Ilir, die Verantwortung für das Nachmittagsangebot.
Während meiner ersten Sprachstunden und dem damit verbundenen Auffrischen des englischen Alphabets, sowie das Üben von einfachen deutschen Vokabeln, stelle ich erstaunt und begeistert zu gleich fest, wie motiviert die Schüler sind. Bei der Frage „Wollt ihr Hausaufgaben?“ fängt die Klasse erwartungsvoll an zu klatschen und wenn die Länge der Arme beim Melden nicht ausreicht, dann springen sie auf, um hoffentlich etwas sagen zu dürfen. Auch in Englisch, ist die Begeisterung während des Unterrichts enorm. Es macht sehr viel Spaß mit den Kindern zu arbeiten. Wir singen gemeinsam englische Lieder, welche ich auch noch aus meiner Grundschulzeit kenne. Die Nachmittagsbetreuung startet dann nächste Woche. In den letzten Nachmittagen hatten wir Zeit, Spiele und Aktivitäten für die Kinder zu planen.

 

Wir freuen uns riesig auf die kommende Zeit und bekommen mehr und mehr das Gefühl, richtig anzukommen. Zum Glück haben wir auch schon eine Einladung für Weihnachten, also kann nichts mehr schiefgehen.

An  dieser Stelle möchten wir euch ganz herzlich gratulieren, denn ihr habt bis zum Ende durchgehalten und seit jetzt dafür auf dem aktuellen Stand! 😀 Übrigens, wir haben Tag 4 sehr gut überstanden und wollten frühestens ab dem 5. abends wieder nach Hause 😉

Tung! Deri më tetor! (Tschüss, bis Oktober )

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Ein Gedanke zu “Angekommen √

  1. Conny schreibt:

    Ihr lieben zwei!
    Ich bin inzwischen absoluter Fan von euren Artikeln! Ihr schreibt so frisch und lebendig – ich habe das Gefühl, selbst mit euch diese Erlebnisse zu sammeln!
    Seid ganz lieb gegrüßt und gedrückt von
    Conny

    Gefällt mir

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