Vom Schenken und Beschenkt werden

Weihnachten –  ein Fest der Bescherungen. Bescherungen, die wir in diesem Jahr auf ganz besondere Weise erleben durften. Neben dem Auspacken liebevoller Geschenke – aus Deutschland und Kosovo – gab es auch eine große Anzahl immaterieller Geschenke in Form von Weihnachtsfeiern und Gottesdiensten.

 

Die Erste durfte ich, Patricia, gemeinsam mit Ilir für unsere Nachmittagskinder organisieren.Bei Weihnachtsmusik, selbstgeschmücktem Weihnachtsbaum, Kakao und Kekshäusern, die wir am Vortag fleißig gebaut haben, ließen wir das Jahr gemütlich ausklingen.

201612213-1Bei der zweiten Weihnachtsfeier stellten die außerordentlich talentierten Internatsschüler ein atemberaubendes Programm mit Tanz, Musik und Schauspiel auf die Bühne. Die Aufführung haben wir uns gemeinsam mit ein paar Mädels aus Tranzit angeschaut und haben so einen sehr besonderen Mädelsabend verbracht.
Bei der dritten Weihnachtsfeier führten die Grundschulkinder ihr Programm vor. Während der täglichen Proben vor ihrem großen Auftritt, lernte ich, Patricia, ganz viele wunderschöne Weihnachtslieder kennen. Die Aufführung war mit Musik, Tanz und Schauspiel gefüllt. Vermutlich war ich vor dem Auftritt mit meiner Deutschgruppe, die ein Weihnachtsgedicht und ein Lied vortrug, viel aufgeregter als die Kinder selbst, aber es hat zum Glück alles gut geklappt. Zum Abschluss der Weihnachtsaufführung sangen alle Kinder gemeinsam Jingle Bells auf Albanisch, Englisch und schließlich auch noch auf Deutsch.
Jingle Bells stellte sich während der Weihnachtszeit generell als großer Hit heraus, denn auch in Tranzit studierte der Chor dieses ein.  Auch außerhalb der Proben stimmten sie dieses gerne an: zum Beispiel bei einer einstündigen Busfahrt zu einem gemeinsamen Auftritt mit der Loyola Schulband.
Vor den täglichen Chorproben haben die Kinder eine Stunde Theorieunterricht, den ich, Eva, durch die Einführung von Blockflöten im vergangenen Monat unterstützt habe. Um für die Kinder ein Zugehörigkeitsgefühl und Verbindlichkeit zu ermöglichen, bekam jedes eine Plastikflöte geschenkt, worüber die Freude groß war.
Doch was macht denn überhaupt ein Geschenk aus? Diese Frage wurde besonders im Rahmen einer Geschenkaktion,dsc_0120 die von ein paar Internatsschülern für die Tranzit-Kinder organsiert wurde, gestellt. Denn Eltern von Kindern, die bei der Geschenkaktion nicht da waren, fühlten sich benachteiligt und forderten daraufhin Geschenke ein. Doch ist ein eingefordertes Geschenk wirklich noch ein Geschenk? Für uns persönlich ist das Schenken an sich eine freiwillige Handlung, die Schenker  und Beschenkten zu nichts verpflichtet. Das Geschenk soll dem Beschenkten eine Freude machen und ihm zeigen, dass er wichtig ist. Wir beschäftigten uns dabei mit folgendem Zitat von Jesus: „Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.“ (Matthäus 5, 41). Deshalb sahen wir 3 Möglichkeiten auf diese Forderung zu reagieren. Erstens: Ihre Forderung zu verweigern. Zweitens: Ihnen das gewünschte  Geschenk zu geben. Drittens: Über die Forderung nach einem Geschenk hinaus zu gehen, indem man „noch einen draufsetzt“ und sich so aus der eingeengten Lage des „Schenken-Müssens“ befreit.
Neben den weihnachtlichen Veranstaltungen lief das normale Programm mit den Schülern in Tranzit selbstverständlich auch weiter. Für die Alphabet-Klasse gab es einen Umzug: aus Tranzit in einen Klassenraum in Loyola.

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Unser Star

Doch nochmal zu Weihnachten: Der 24.12. startete mit der Generalprobe unseres Kinderkirchenchors, denn wir durften die Weihnachtsmesse am 1. Weihnachtstag begleiten. Doch trotz täglicher Proben und vielen Zusagen erschien zum Auftritt letztendlich nur ein Kind, sodass unser großer Einsatz doch etwas unauffällig blieb. Gemeinsam mit der Jesuitenkommunität und den Tranzitlern verbrachten wir den  Nachmittag des 24.12. an einem Lagerfeuer bei unserem Raum.
Bei diesem Fest bekamen wir nach einer Dankesrede Geschenke von den Tranzitlern überreicht, was für uns eine sehr rührende Geste war.  Anschließend ging es für uns zur ersten Heiligabend-Messe in ein kleines, nahegelegenes Dorf, namens Grazhdanik. Da es leider  keinen festen Musikveranwortlichen in dieser Gemeinde gibt, begleiteten wir den Gottesdienst mit Querflöte und Klavier.

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Krippenspiel in Grazhdanik

Darauf folgte die Mitternachtsmesse in Prizren, welche mit einem Feuerwerk endete. Durch das Feuerwerk wird deutlich, dass viele Kosovaren religions- und traditionsbedingt Weihnachten für das gleiche Fest wie Silvester halten, was vorab in manchen Gesprächen für kleine Missverständnisse sorgte.

201612311An Neujahr selbst wurden wir spontan von einer Tranzit-Familie eingeladen. Zwei der Söhne sind engagierte Mitarbeiter im Projekt. Gemeinsam verbrachten  wir die Zeit bis zum mitternächtlichen Feuerwerk um den vollgedeckten Tisch im Wohnzimmer. Die Atmosphäre in dem kleinen Raum war sehr familiär und entspannt und wurde durch die Wärme des Ofens richtig gemütlich.
Öfen und Heizungen sind in diesen Tagen unverzichtbar, da wir gerade Temperaturen bis zu -22 Grad erreichen und so der gefallene Schnee keine Möglichkeit hat zu schmelzen. Perfektes Wetter um Schneemänner zu bauen! Was leider als Grundschulnachmittagsprogramm ausfällt, weil wir vom Bildungsministerium aufgrund von Schnee und Kälte zu einer weiteren Woche Ferien verdonnert wurden. Damit erreichen wir bereits die Hälfte der Sommerferienzeit! Für uns persönlich kommt diese geschenkte Pause allerdings ganz gelegen, denn hinter uns liegt eine sehr arbeitsintensive Workshopwoche. Bei dieser beschäftigten wir uns mit einer kleinen Gruppe Loyola-Tranzit Mitarbeiter, 5 Tranzitler-Jungs und 5 Loyola-Mädchen, mit dem Thema „Um Verantwortung für andere übernehmen zu können, muss ich Verantwortung für mich übernehmen.“ Nicht nur die Teilnehmer konnten in dieser Zeit persönliche Erfahrungen sammeln und über sich und das Leben lernen, sondern auch wir konnten aus diesen Tagen viel mitnehmen. Zum Beispiel lernte Eva bei der Leitung wie wichtig feste Regeln sind, um der Gruppe Sicherheit zu geben. Patricia wurde bewusst, dass auch hinter  der Leitung des Küchenteams viel pädagogische Arbeit  steckt. Auch für die Teilnehmer  war es ein sehr gelungener Workshop, trotz verpflichtender Schweigezeit, Einzelzimmern und Handyverbot. Durch den vertrauensvollen Austausch über persönliche Themen und die gemeinsame Zeit wuchs die Gruppe in den wenigen Tagen eng zusammen und wir sind gespannt, welche Früchte dies in der zukünftigen Arbeit hervorbringen wird.

Das war’s mit den News aus dem Kosovo, wir hoffen  ihr baut fleißig Schneemänner und wir hören uns bald wieder! Tung, Tung
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2 Gedanken zu “Vom Schenken und Beschenkt werden

  1. Marie schreibt:

    Hallo ihr beiden!
    Wieder mal ein auf vielen, vielen Ebenen hochinteressanter Blogeintrag! Es ist immer sehr toll, lustig und sehr inspirierend, eure Texte zu lesen.
    Eine Frage habe ich: wie habt ihr euch schließlich bezüglich der „geforderten“ Geschenke entschieden? Obwohl ich es mir schon fast denken kann, welche der 3 Möglichkeiten ihr gewählt habt.

    Ich bin stolz auf euch!
    Marie (:

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    • Evi und Paddi schreibt:

      Liebe Marie, vielen Dank für deinen Kommentar!!! 🙂 Bezüglich deiner Frage ist zu sagen, dass wir uns viele Gedanken gemacht haben, wie eine zweite Meile aussehen könnte, da es eigentlich unser Wunsch war, diese zu gehen. Leider haben wir die Gelegenheiten jedoch verstreichen lassen und somit die erste Möglichkeit gewählt, obwohl uns eigentlich die 3. lieber gewesen wäre.
      Ganz, ganz liebe Grüße und bis bald!!!

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