Der Kosovo

Der Kosovo ist eine Republik in Südosteuropa auf dem westlichen Teil der Balkanhalbinsel und besonders durch seine wunderschönen alten Moscheen und Kirchen bekannt. Neben der Schönheit der Gebäude hat das Land aber auch mit traurigen Schicksalen zu kämpfen. Der Kosovo-Krieg 1999, in welchem die Bevölkerung für ihre Unabhängigkeit kämpfte,  gehört zu den jüngsten Kriegen in der Geschichte und noch heute ist der Kosovo nicht überall als ein eigenständiges Land anerkannt. Die Arbeitslosenquote von 40% zeigt die Perspektivlosigkeit des Landes und erklärt auch die vielen Flüchtlinge, welche nach Deutschland kommen, hier aber schnell wieder abgeschoben werden.

 

1. Soziale Lage im Kosovo

Einwohnerzahl: ca. 1.800.000

Bevölkerungsdichte: 159,8 Einwohner pro km²

Städtische Bevölkerung: 38% (2012)

Bruttoinlandsprodukt : Total (nominal) 7,075 Mrd. US$ (145.)
Total (KKP) 16,172 Mrd. Int.-$ (140.) (2013)

Human Development Index: 0,818 (47.) (2014)            (2011: 0,713)

Anteil alphabetisierte Erwachsene: 91,9% (2007)

Lebenserwartung: (w/m) 73 / 68,7 Jahre (2013)

Geburtenrate: 2,19 (2012)

Kindersterblichkeit: 36,4 per 1000 Geburten (2015)

Bedeutende Religionen: Islam, Christentum (serb.-orthodox, röm.-kat.)

 

absolute Armut (täglich verfügbares Einkommen geringer als € 1.55): 34% der Bevölkerung
extreme Armut (€ 1.02): 12% der Bevölkerung

 

-die durchschnittlichen Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung lagen 2011 bei 69% des Haushaltseinkommens

-Demografie: <15 Jahre: 28%; 15-64: 65%, >65: 7%, wachsende Bevölkerungsrate

-Geburtenraten (2012): 2,2 à deutlich niedriger als 2003 (3,0)

-durchschnittliche Haushaltsgröße: 5,9 Personen (< 10% 1 oder 2-Personen Haushalte) à hingegen Alterungsprozess der EU-Staaten

– circa  150’000 Menschen mit Behinderungen im Kosovo (politische Initiativen schlagen nur schleppend an, oft von Armut, Isolation und Stigmatisierung betroffen)

-Lebensstandard und Lebenserwartung sehr verschieden (bis zu 10 Jahren Unterschied zwischen den Gemeinden)

Migration ist essentieller Bestandteil der Menschen im Kosovo
-circa 500.000 Menschen sind zwischen 1969 und 2011 ausgewandert
-Gesamtzahl zur kosovarischen Diaspora gehörenden Personen:  ca. 800’000 (2/3 in Deutschland, 1/3 in der Schweiz)
-umfassende Geldüberweisungen zu Familienangehörigen im Kosovo (oftmals für Medikamente und Bildung verwendet à soziale Absicherung)
-Geldüberweisungen vom Ausland bilden 11%-13% des BIP
-ständige Ausgaben durch Reisen in den Kosovo (besonders in Juli, August)
-ca. 50% der 18-36 Jährigen können sich vorstellen, ihrer Bildung oder Arbeit im Ausland weiterzugehen
– zwischen Dezember 2014 und Mai 2015 reichten 28’655 kosovarische Staatsbürger ein Asylgesuch bei den Deutschen Behörden ein (letzte große Migrationswelle)
Geschlechterverhältnisse:
-patriarchalisch geprägte Gesellschaft
– gekennzeichnet von mannigfaltigen geschlechtsspezifischen Diskriminierungen (vor allem Zugang zu Bildung und Beschäftigung) -Frauen sind bei der Entscheidungsfindung in allen Bereichen und auf allen Ebenen deutlich unterrepräsentiert. (Bsp. Analyse von Auslandsüberweisungen: circa  80% der Personen, die Geldüberweisungen in den Kosovo tätigen, sind männlich und 90% der Personen, die diese Geldtransfers im Kosovo empfangen und verwalten, sind ebenfalls männlich.)
-Häusliche Gewalt und sexuelle Belästigungen stellen ein verbreitetes Phenomen dar

Vermengung traditioneller und moderner Werte
-Distanz gegenüber staatlichen Strukturen (fremd, anders)
-dadurch Ausbildung umfangreicher Prozesse der Gemeinschaftsbildung wie z. Bsp. Entwicklung von Stämmen, Clans, Patenschaften und Blutsverwandtschaft
-Ausdruck findet Insbesondere in der albanischen Bergwelt basierte die Ordnung auf einem mündlich tradierten Gewohnheitsrecht (Kanune)
– Der Kanun ist ein umfassendes Regelwerk und befasst sich mit weiten Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens wie Kirchen-, Ehe-, Erb-, Schuld-, Handels- und Strafrecht
-Blutrache ist  oft Ausdruck Jahrzehnte alter Konflikte

Sprache
-laut Verfassung sind Albanisch und Serbisch Amtssprachen. Auf lokaler Ebene aber auch Türkisch, Bosnisch und Romanes

Bildung
– nur ca. 10 % der Kinder im Kosovo besuchen vorschulische Einrichtungen
– bis zu 10% der weiblichen Jugendlichen (16-19 Jahre) in ländlichen Gebieten können nicht Lesen und Schreiben
-Qualität der Bildung ist allgemein als vergleichsweise schlecht zu beurteilen
-Probleme: fehlende Unterrichtsmaterialien, unzureichende Infrastruktur, Gewalt und Drogenmissbrauch)
-viele Jugendliche verlassen die Schule ohne adäquate Vorbereitung für die Arbeitswelt (fehlende Qualifikationen)

 

– Schuljahr 2010/11: insgesamt 472’226 Schüler:

vorschulische Einrichtungen (5,2%)

Schulen der Primarstufe (64 %)

der Sekundarstufe (23 %)

Einrichtungen der höheren Bildung (7.6 %)

-geringer Anteil privater Schulen in der Primar- und Sekundarstufe (18 von 1’167 Schulen)

-Semester 2010/11 insgesamt 34’315 eingeschriebene Studenten an der Universität von Prishtina und 1’595 an der Universität in Prizren

 

-Gesundheit
-Säuglings- und Müttersterblichkeit gehört jeweils zu den höchsten in ganz Europa

-besonderes Risiko durch enorme  Umweltverschmutzung und Umgang mit suchtgefährdenden Substanzen (vor allem Tabak)

 

-2011: 12000 Beschäftigte im öffentlichen Gesundheitswesen

-öffentlichen Ausgaben von € 117 Mio. entsprechen 2.5 % des BIPs

-Mangelndes medizinisches Fachwissen

-Doppelfunktion von medizinischem Personal (gleichzeitige Beschäftigung in öffentlichen und privaten Institutionen)

-Soziale Sicherheit

-seit 2001 Alterssicherungssystem/Rentensystem:

-Grundrente (für alle mit ständigem Wohnsitz in Kosovo; Rentenalter 65 Jahre; Rentenzahlung ist fix 45Euro)

-individualisiertes Kapitaldeckungsprinzip (ϟ Die Gesamtzahl der aktiven Beitragszahler in dieser Säule lag 2010 bei rund 235’000 Personen, ca. 50% aller Beschäftigten. Weniger als 5% des bislang aufgelaufenen Sondervermögens (€ 563 Mio., 2011) wurden im Kosovo investiert.)

 

-finanzielle Unterstützung für Familien von Märtyrern, Invaliden und Mitglieder der UÇK sowie von zivilen Opfern des Krieges:

-Familien-, Inavaliditäts- oder Hinterbliebenenrenten, aber auch Steuerbefreiungen, Beschäftigungsvorteile oder erleichtert Zugang zu Bildungseinrichtungen

 

2. Roma im Kosovo, Prizren

-gesetzliche Gleichheit: Anerkennung von Romanes als lokale Amtssprache; Anspruch auf einen Abgeordnetensitz im Parlament à in der Realität wird gesellschaftliche und politische Integration durch Diskriminierung und Verfolgungsgefahren aufgrund von Kollaborationsvorwürfen mit den Serben versperrt

-aus dem Kosovo nach Serbien geflüchtete Roma: sind größte Opfer des serbisch-albanischen Konflikts; sie leben auch Jahre nach dem Krieg immer noch in Flüchtlingslagern unter unmenschlichen Bedingungen

-ein Großteil der Roma besitzt keine gültigen Ausweise

Prizren: Roma umfassen Roma, Ägypter und Aschkali (RAE)
Roma machen ca. 3 Prozent (mehr als 5.000 Personen) der Einwohner aus
Roma leben in isolierten Randbezirken, z.B.: in Tranzit
Roma sprechen Romanes, Albanisch oder Serbisch

3. Roma Allgemein

Probleme

-Vorurteile

-Diskriminierungen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit

-Sprach- und Qualifizierungsdefizite à hohe Arbeitslosigkeit

-keine rechtlich politische Anerkennung in der Realität

-Isolation

-mangelhafte Wohnbedingungen, z.B. Müllkippe

 

 

Osteuropa:

-die Hälfte der Roma-Kinder auf dem Balkan gilt als unzureichend ernährt;
Kindersterblichkeit ist etwa dreimal so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt;
Lebenserwartung ist zehn bis 15 Jahre geringer

-gesamter Balkan: offenkundig rassistischer Hass gegen Roma

-Mazedonien: Anerkennung in der Verfassung als ethnische Minderheit mit vielen Rechten (z.B. Grundschulbildung in der Muttersprache, Sitz und Stimme im Parlament)  à in der Realität: keine Spur von Integrationspolitik

-Serbien: Staatlich anerkannte Minderheit à in der Realität: behördliche Diskriminierung; rassistische Übergriffe; Ghettoisierung

à Roma machen einen Großteil der Flüchtlinge vom Balkan aus:

ϟ so gut wie kein Integrationswille bei den Zielländern ( Angst um Sozialsysteme, Angst vor weiteren Flüchtlingsströmen) –> erneute Ausgrenzung; Abschiebung

karte_zahl_der_roma_in_europa

Advertisements